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„Bundeswehr-Shelter“ für den ambitionierten Funkamateur

„Der Weg zum etwas anderen Shack…“

Zum Ende des Jahres 2014 sollte ein kleiner Traum in Erfüllung gehen – mein Shack sollte in einer ausgesonderten Fernmeldekabine der Bundeswehr seine neue Heimat finden – stationär unter dem Carport. Natürlich eignet sich solch eine Kabine – verzurrt auf einem geeigneten Anhänger – auch vorzüglich als mobiler Shack bei Fieldday-Aktivitäten.

Gegebenenfalls kommt der eine oder andere OM durch diesen Bericht ja auf den Geschmack…

Obwohl ich nicht der erste Funkamateur war, der sich mit dieser Idee beschäftigte, waren die Informationen zur Umsetzung eines solchen Projektes recht spärlich gesät und bisweilen fand ich nicht die Informationen, welche ich mir gern zur Unterstützung gewünscht hätte. Kurzerhand entschloss ich mich, die einzelnen Schritte des Umbaus zu dokumentieren. Das im Zuge des gut 3-monatigen Ausbaus entstandene umfangreiche „Umbau-Tagebuch“ kann als Datei heruntergeladen werden.

Download: Fm-Kabine Typ I als Shack_01_2015

Zum Projekt – in aller Kürze – ein paar Informationen:

Die Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft eine solche Funkkabine erstehen zu können, bewerte ich als sehr hoch – die Lebensdauer wird gemäß Hersteller mit über 20 Jahren ausgeworfen. Nach eigener Einschätzung liegt die tatsächliche Lebenserwartung deutlich darüber – bei bestimmungsgemäßer Nutzung und entsprechender Pflege.

Nachdem ich mich nun etwas intensiver mit der Materie beschäftigt hatte, machte ich mich gezielt auf die Suche nach einem Zeppelin-Shelter, Typ I – hierbei handelt es sich um den kleineren Shelter, welcher in der Regel auf dem 2to „Unimog“ verlastet wird. Je nach Zustand und Ausstattung liegen die Angebote grob zwischen 1300 und 3500 Euro.

Mein Augenmerk fiel auf eine Kabine, die noch mit den wesentlichen Einbauten ausgestattet war.

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Bild 1 und 2: Vorder- und Rückansicht – direkt nach der Anlieferung

Der äußere Zustand der Kabine war gut bis befriedigend. Im Inneren wirkte sie, bis auf den mit normalen Gebrauchsspuren versehenen Boden, gut bis sehr gut erhalten. Die elektrische Ausstattung, wie Verteilerkasten, Leuchtstoff-Deckenlampen, Lüfter, 24 Volt-Steckdose etc. waren vorhanden und funktionierten. Weiterhin verfügte sie noch über den ISRI-Sitz, 4 Befestigungswinkel für Tisch bzw. Regale. Der Händler erhielt die Erlaubnis zum Ausbau der nicht notwendigen Dieselheizung – dafür sollte der Transport direkt vor die Haustür inklusive sein.

Die folgenden Wochen und Monate waren nun geprägt von mehr oder weniger intensiven Umbauaktivitäten.

Zunächst musste ich mir jedoch über wesentliche Punkte klar werden, hier im Schwerpunkt alle Fragen bezüglich der Elektrik, sowie der effizienten Klimatisierung der Kabine – wollte ich doch im Winter nicht frieren. Weiterführende Überlegungen beschäftigten sich mit der Inneneinrichtung und der amateurfunkspezifischen Einrichtung des Shelters.

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Bild 3 und 4: Sohnemann Robin, DE8ROB beim ersten Testsitzen / Blick auf die linke Kabinenseite im Urzustand

„Licht und Luft“
Grundsätzlich wird die Kabine im Original mit 24 Volt betrieben. Eine Umrüstung auf reine 230 Volt bzw. 13,8 Volt wurde aufgrund des damit verbundenen Umbauaufwandes verworfen. Ich fasste den Entschluss die Kabine primär mit 230 Volt zu versehen und daraus sowohl die Kabinenelektronik (Licht und Lüftung) mit 24 Volt zu bedienen, als auch die Versorgung der Funkanlage mit 13,8 Volt zu bewerkstelligen. Eine zusätzliche Versorgung über Batterien ist grundsätzlich möglich und wurde auch bei der Anlage der elektrischen Anschlüsse berücksichtigt.

„Wärme und Behaglichkeit“
Schon im Vorfeld war ich mir darüber bewusst geworden, dass ein Heizen mit der eingebauten Diesel-Standheizung nicht in Betracht kommt. Diese mag zwar für den mobilen Einsatz von erheblichem Vorteil sein, ist aber bei stetig stationärer Nutzung aufwändiger im Betrieb und bedingt zusätzliche Wartungs- und Pflegearbeiten. Im Grunde blieb somit nur eine „elektrische Lösung“. Bei der Primärheizung fiel die endgültige Wahl auf ein Infrarotpanel. Anders als bei herkömmlichen Heizungen wird bei modernen Infrarotheizungen nicht die Raumluft erwärmt, sondern die Umfassungsflächen wie Wände, Boden und Decke. Durch diese Funktionsweise bleiben die Wände trocken, man beugt Schimmelpilzbildung vor und es entsteht keine Staubaufwirbelung, wie es bei herkömmlichen Heizungsarten der Fall sein kann. Die Betriebskosten sind im Vergleich zu anderen elektrischen Heizvarianten vergleichsweise günstig.

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Bild 5 und 6: Neuverkabelung des 24 Volt-Verteilerkastens / Infrarotheizpanel montiert

Nach Fertigstellung der Anteile „Licht und Wärme“ konnte ich mich fast vollends auf die Vorbereitung als Amateurfunk-Shack konzentrieren. Dies machte letztendlich auch die meiste Zeit aus.

Es wurden Kabel gezogen, Stecker gelötet und der eigentliche Arbeitsplatz eingerichtet. Weiterhin musste eines der schweren Regale die Seite wechseln und auch für das Kartenbrett fand sich ein neuer Platz. Die vielen kleinen und auch großen Schritte entnehmt bitte dem ausführlichen Bericht.

Pünktlich zum Jahresende 2014 und somit dem selbst gesetzten Ziel von maximal 3 Monaten Umbauzeit war es letztendlich auch geschafft und ich konnte einziehen.

Aus jetziger Sicht kann ich nur jedem Funkamateur, der sich mit den Gedanken zur Anschaffung einer solchen Kabine trägt, ausdrücklich dazu raten. Der Shelter bietet eine „kultige und gediegene“ Arbeitsumgebung – man fühlt sich sofort wohl. Das Preis- Leistungsverhältnis und die Verarbeitungsqualität ist mit Sicherheit unerreicht und gerade für den Funkamateur entpuppt sich die Kabine als „Quell der Freude“ für den Einbau von „Amateurfunkspielereien“ aller Art.

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Bild 7, 8 und 9: Die Fernmeldekabine im Endzustand

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Bild 10 und 11: Arbeitsplatz fertig eingerichtet

In der Hoffnung, dem einen oder anderen Funkamateur einen Anstoß zum Basteln gegeben zu haben,
verbleibe ich mit…

55 & 73

Oliver
DO7OMB

4 Gedanken über “„Bundeswehr-Shelter“ für den ambitionierten Funkamateur

    1. DO7OMBDO7OMB Beitrags Autor

      Moin !

      Danke für das Lob ! 🙂

      …und ich bastele immer noch…

      Macht auch im vierten Jahr noch extrem Spass, da sich unendlich viele und immer wieder neue Möglichkeiten
      bei der Nutzung ergeben.

      Ich denke, ein Update für das Umbautagebuch werde ich bis zum Sommer einstellen.

      73 de
      Oliver
      DO7OMB

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