DL0SX

Chronik M13

Gründungszeit

Der Deutsche Amateur – Sende- und Empfangs – Dienst (DASD) war seit 1927 der Verband der deutschen Kurzwellenamateure.
Schleswig-Holstein wurde erst am 1.8.1933 in einem Landesverband erfasst und zwar unter der Bezeichnung „Nordmark“ mit dem Kennbuchstaben V.
Nach dem im März 1935 in 2. Auflage erschienen Buch“Kurzwellentechnik“, wurde der „der Reichs-Rundfunkkammer angehörende“ DASD erst im Monat November 1934 in das Vereinsregister eingetragen und „damit unter gleichzeitiger Festlegung des Führerprinzips in den vom Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda ausdrücklich genehmigten Satzungen auf eine neue Grundlage gestellt … „.
Diese Formulierung zeigt, welchen Einfluss die Politik in dieser Zeit auf unser Hobby ausübte. So heisst es an anderer Stelle: „Jeder Sendeamateur muss sich darüber klar sein, dass er mit seiner Sendegenehmigung ein Recht erhält, dass ihm hohe vaterländische Pflichten auferlegt. … Die (Morse-) Zeichen des Amateurs, die technischen und betrieblichen Fähigkeiten, die er im Kontakt mit weit entfernten auswärtigen Funkfreunden zeigt, werden oft als Maßstab für die gesamte deutsche Funktechnik gewertet. Es ist deshalb für den deutschen Amateur selbstverständlich, dass er stets eine vorbildliche Disziplin und höchste technische Vollendung seiner Geräte anzustreben hat.“ Vorübergehend büßte Schleswig-Holstein seine Selbständigkeit ein und war mit Hamburg zusammengelegt. Erst ab 1.Oktober 1935 wurde die Landesgruppe V/Schleswig-Holstein wieder selbständig unter Leitung von OM Lorenz Roehling in Kiel.

Der OV Schleswig wurde im März 1936 gegründet. Als OVV, damals noch OGL (Ortsgrupenleiter) genannt, wurde Werner Schöning, DE 2544, mit dem Call D 3 FOV, eingesetzt. Seine Station stand in der Werkstatt hinter dem Blumengeschäft Höft in der Busdorfer Strasse (Friedrichsberg). Er war lange noch als DL1YB (SK) von Feuchtwangen aus aktiv und besuchte von Zeit zu Zeit seine Schwester in Schleswig. Auch Erwin Urban, DE 6057, war schon früh dabei. Er erhielt seine DE-Nummer im Februar 1937 und wurde im September 1937 OVV in Schleswig. Nach dem Krieg war er unter DL 3 FX in Schleswig QRV, verstarb aber schon am 22.7.1970. Seine Söhne, die noch leben, berichten über abenteuerliche Aktivitäten während des Krieges und in der ersten Nachkriegszeit. Ebenso war Detlev Missfeld, DE 1761, bereits sehr früh dem Amateurfunk verfallen. Als Sohn des Malers und Bildhauers Missfeld, der u.a. die Innenausbauten des Passagierdampfers „CAP POLONIO“ entwarf und diese später in der längst abgerissenen „Schleihalle“ wieder verwendete (Jugendstil), kam er nach Schleswig. Er arbeitete am Wetteramt und war als DL 1 IP besonders in Telegrafie aktiv. Hunderte von Diplomen bedeckten alle Wände seines Hauses im Regenpfeiferweg 34. Leider verstarb er schon am 11.11.1976.

Von weiteren Mitgliedern des OV Schleswig aus der Vorkriegszeit kennen wir nur noch ihre Namen und DE-Nummern:
DE 6265 Willi Petersen, DL 1 IW , heute auf Nordstrand
DE 6266 Heinrich Fehmann, später DL 1 FW
DE 6267 Ernst Steffen
DE 6459 Manfred Petersen
DE 6460 Hinrich Reimer
DE 6461 Walter Paulsen
DE 6462 Heinz Eberhardt

Wo mögen sie abgeblieben sein? Vielleicht weiss jemand etwas darüberund teilt es uns mit. Für viele der hier aufgeführten Daten danken wir DL6KQ und DL7AC (SK), die in ihren Archiven viele Unterlagen aus der Vorkriegszeit gesammelt haben.

 

Was die Söhne von DL3 FX erzählen können

Etwa von 1934 ab gab es auch in der Stadt Schleswig Funkamateure.

Erwin Urban, der spätere DL3FX, wohnte damals im Stadtweg 57. Das Haus steht heute nicht mehr. Es musste einem Neubau weichen. Über dem Garten hing eine lange Antenne. Ein besonderer Raum diente als Funkbude. Eine Sendelizenz war nach Ausgabe der ersten deutschen Lizenzen 1933 kaum noch zu bekommen. So blieb also offiziell nur die Empfangstätigkeit als DE (Deutscher Empfangsamateur). Die Nummern wurden vom DASD zentral ausgegeben, nachdem man Morsekenntnisse (etwa 40 Bpm) nachgewiesen hatte und über einen KW-Empfänger (meist Eigenbau) und einen Frequenzmesser (Absorptionskreis genügte) verfügte. Die DE-Prüfung erfolgte durch einen bekannten OM in vertrauter Umgebung und machte niemandem Angst. Wie sehr viele, die jahrelang vergebens auf Sendelizenz warteten, wird auch Erwin gelegentlich schwarz gesendet haben.

Kurz vor dem Kriege wurde das Schwarzsender-Gesetz erlassen, das hohe Strafen und nach Kriegsbeginn sogar die Todesstrafe für Schwarzsenden vorsah. Erwin Urban brauchte wegen einer Behinderung nicht Soldat zu werden. Ab 1942 wohnte die Familie in Nübel. Es gab zu dieser Zeit einen „Freundeskreis der heimlichen Funkamateure“, der mit Sicherheit illegal war. Etwa 7 oder 8 Mann trafen sich mehr oder weniger regelmäßig und tauschten Neuigkeiten aus. Die Söhne erinnern sich daran, dass man sich freute, „endlich einmal frei sprechen zu können“. Um 1944 gab es einen ersten Eigenbau-Transceiver, der in einem Messgerätekasten als Kofferradio getarnt eingebaut war. Erwin bekam Schwierigkeiten, weil er nie „Heil Hitler“ sagte. Die etwa knapp 300 deutschen Funkamateure benutzten seit 1933 als entsprechenden Gruß die Abkürzung HHI, das wohl mit Absicht eine starke Ähnlichkeit mit HI hatte. „Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“ Im Jahre 1944 zogen die Urbans in die Pastorenstraße. Erwin vergrub, als die Engländer kamen, alle Geräte in Kisten verpackt im Garten. Eine Widerstandsgruppe sollte die Engländer an der Haddebyer-Damm-Brücke aufhalten, aber die Sprengung gelang nicht.

Als sich im Sommer 1945 die Lage etwas beruhigt hatte, wurde heimlich wieder gefunkt. Die englische Besatzungsmacht führte Haussuchungen durch. Ein englischer Offizier namens Richard war Funkamateur und kam oft ins Haus. Erwin hatte oft und lange Funkkontakt mit ihm. Überall in den Westzonen begannen die DA-Stationen noch unlizenziert zu arbeiten. 1945/46 gründete Erwin Urban den „SCHLESWIGER AMATEURFUNK-CLUB“. Erwin entwarf ein Abzeichen für den SAFC in der bekannten Rautenform, das aber nicht in Gebrauch genommen wurde, weil inzwischen der DARC/BZ entstanden war (BZ = Britische Zone). Zu den ersten Aktiven in Schleswig gehörten u.a. Willy Meyer-Stüwe (DL1GA), Oskar Gohn (DL1FY) und Paul Messer (DJ7PM). Mehrere junge Leute kamen dazu, aber es gab häufigen Wechsel.

Klaus Urban berichtet weiter: Im Zimmer in Nübel waren 3 Wände mit QSL-Karten tapeziert. Sein Vater hat vielen beim Eigenbau geholfen. Er baute sehr sauber und ordentlich. Glimmlampen an der Antennenzuleitung (Hühnerleiter) waren zugleich Abstimmanzeige und Warnung, „Bitte nicht stören, bin auf Sendung“. Viele Antennen wurden ausprobiert, auch Rahmenantennen. Nach dem Umzug zum Husumer Baum spannte Erwin für einen Contest eine Antenne vom Haus zum Kirchturm der Friedrichsberger Kirche. Später baute er auch UKW-Antennen, die mit einem grossen Handrad von der Funkbude aus gedreht werden konnten. Schon während des Krieges machte er Versuche mit Telefonie. Gefunkt wurde fast nur nachts, geschlafen von 4 bis 7 Uhr morgens. Einmal wurden alle Kinder wach, als Erwin seine Frau rief: „Kika, komm mal, hab einen aus Afrika!“.
Als Angestellter in der Kreisverwaltung (Bauamt) konnte er manches leichter organisieren. So wurden QSL-Karten für die Schleswiger Amateure als Blaupausen hergestellt, die dann auf Postkarten geklebt wurden. Für Fielddays musste ein LKW eingesetzt werden, weil die Funkgeräte damals noch sehr schwer waren. Es existieren noch Fotos von einem Fieldday, vermutlich im Sommer 1936, auf denen außer Erwin Urban auch Werner Schöning zu sehen ist. Ein weiterer OM wurde als Hans Nielsen, der Friseur vom Holm, identifiziert. Auch der OM Petersen ist noch auf der Aufnahme zu sehen.

 

Wie es 1936 hier aussah

Einzige Unterlage ist die Fotokopie eines Schreibens der Landesgruppe V. (sprich „Vau“), Schleswig-Holstein, die unter dem 1.August 1936 in einer Skizze und im Text u.a. folgende Organisation der Funkamateure in Schleswig-Holstein aufführt:
Landesgruppenleiter (LGL): Lorenz Roehling, Kiel, D4JDV (DL1FM, verstorben)
Ortsgruppe (OG) Kiel, OGL (Ortsgruppenleiter!): Alfred Müller, D4VJV (DL1FL)
OG Flensburg, OGL: Hermann Selmer, (keine Lizenz!)
OG Rendsburg, OGL: Armin Drasdo, (keine Lizenz!, später DL1FF, verstorben)
OG Wesselburen, OGL: Walter Peters, D4WNV, (DL1IM, verstorben)
OG Brunsbüttelkoog, OGL: Kurt Franke (keine Lizenz!)
OG Schleswig, OGL: Werner Schöning, D3FOV (lizenziert im Oktober 1935, DL1YB, verstorben)

An Bedingungen für die Sendelizenz wird verlangt:
1. Empfangsbereitschaft auf allen Bändern (damals: 10, 20,40 und 80 m)
2. Vorhandensein eines ECO-Frequenzmessers (kleiner Röhrensender)
3. Es müssen mindestens 25 Logblätter zur Auswertung eingereicht sein. (Das erforderte intensive Empfangstätigkeit!)
4. Der Empfang von 5 Reichsrundsprüchen, 8 LG-Rundsprüchen und 3 Übungssendungen ist nachzuweisen.
5. Ein 15 Minuten-Referat über technische und betriebliche Fragen ist zu halten.
6. Sämtlichen Beitragsverpflichtungen ist pünktlich nachzukommen.

Erst dann konnte man sich (theoretisch!) zur Prüfung anmelden, was aber tatsächlich nicht erlaubt wurde.
Nach der ersten „Massen“-Lizenzerteilung 1933 und ganz wenigen in den folgenden Jahren gab es Lizenzen, soweit mir bekannt ist, nur 1938 für einige wenige „Ostmärker“ und noch einige wenige Kriegsfunklizenzen. Auch Erwin Urban wurde 1937 ohne Lizenz OVV in Schleswig.

Man lebte eben nach dem Prinzip Hoffnung!

Amtliche Mitteilungen der DASD-Leitung wurden in der CQ veröffentlicht, einer Beilage der Zeitschrift „Funk“, die mit einem gelben Deckblatt den Mitgliedern zugestellt wurde. Es gab nur wenige Anzeigen. Bekannte Firmen waren damals u.a. GOSSEN (Mavometer), STABILOVOLT (Stabilisatoren), RADIO-RIM (Bastelteile), Walter Arlt (Trafos), A.Lindner (Allei-Morsetasten) um nur einige zu nennen.
Aber auf dem hinteren Deckblatt fand man die sehr gesuchten AKTM-Blätter des „Archivs für KW-Technik und Meßkunde“. Diese enthielten vieles Brauchbare: DXCC-Listen, Sender- und Empfänger-Schaltbilder (u.a. die „Standard-Geräte“ des DASD, die leicht nachzubauen waren und für die die Warenabteilung Bausätze lieferte). Auch Antennen (Abmessungen und Typen), Formeln, Röhrendaten, Messverfahren und vieles mehr erschien so und wurde eifrig gesammelt. Es gab doch noch kaum Literatur für den Funkamateur. Hier sind die Bücher aus der Reihe „Lehrmeister-Bücherei“ zu nennen, bei denen zwei Büchlein im Oktav-Format unter dem Titel „Senden und Empfang kurzer und ultrakurzer Wellen“ von RolfWigand zum Preise von nur 1,40 Reichsmark manch einem den Start erleichterten.

1958 bis 1968 Protokolle des Ortsverbandes liegen erst seit 1965, die der Distrikts-Versammlungen erst seit 1970 vor. Der dicke Ordner, in denen man sie findet, muss längere Zeit bei einem starken Raucher gestanden haben und strömt einen deutlichen Tabaksqualm-Geruch aus, den aber wohl nur ein Nichtraucher bemerkt. Spärliche Notizen gibt es aber schon ab 1958. OVV war danach vom 1.8.1958 bis zum 30.6.1962 OM Detlef Missfeldt, DE 1761, der unter seinem Call DL1IP vorwiegend in CW in aller Welt bekannt wurde. Er trat früh der DIG bei (DIG 131) und nahm sehr oft an Contesten teil.
An den OV-Abenden hatte er immer dicke Stapel von QSL-Karten abzugeben. Vom 5.7.1962 an leitete OM Günther John, DL7GO, bereits kommissarisch den OV. Der OV Schleswig hatte am 1.8.1962 insgesamt 14 Mitglieder, darunter bereits die OMs Paul Messer (DJ7PM, SK), Oskar Gohn (DL1FY, SK), Helmut Sachse (DJ3AD, SK) und Peter Schodlock (DK3KK). Clublokal war damals die „Schleihalle“, in der am 16. September 1962 unter Leitung des damaligen DV OM Schirmer, DL1GG, auch eine Distriktsversammlung stattfand. DL7GO wurde am 5.12.62 durch Wahl als OVV bestätigt. Am 31.12.1963 war die Mitgliederzahl auf 24 angewachsen, darunter 8 Lizenzinhaber und 9 Jugendliche. Da die „Schleihalle“ abgerissen wurde, wurden ab 1.April 1963 die Mitgliederversammlungen ins
„Handwerkerhaus“ verlegt.

Am 26.11.1964 tritt der bisherige Vorstand geschlossen zurück. Die Gründe für diesen Schritt sind nicht (mehr) bekannt. Auf einer OV-Versammlung am 22.1.64 wurde nur über mögliche Kandidaten für den
Vorsitz diskutiert.
Am 25.Februar 1965 wird dann OM Rolf Schlösser, DK1ZH, zum OVV gewählt. Er wohnt heute inTroisdorf bei Bonn und ist immer noch aktiv. Der 2. Distriktsvorsitzende OM Egon Bock leitete die Versammlung, an der nur 9 von 27 Mitgliedern teilnahmen. Auf der ersten OV-Versammlung unter der neuen Führung am 2.4.1965 dankt OM Schlösser dem bisherigen Vorsitzenden DL7GO für die geleistete Arbeit. Immerhin hat sich während seiner Amtszeit die Mitgliederzahletwa verdoppelt.

In den nun folgenden Jahren ist der OV Schleswig recht aktiv. Im März 1966 erhält er das Clubrufzeichen DL0SX. Querelen bleiben auch weiterhin nicht aus. So muss die Vorstandswahl vom 8.12.66 nach schriftlichem Einspruch eines Mitglieds annulliert werden, weil in der Einladung nicht auf die Neuwahl hingewiesen wurde. Die Wahl wurde darauf am 8.2.67 mit dem gleichen Ergebnis wiederholt. DK1ZH wurde wiedergewählt, ebenso Heinz Feddersen, DL2OW, als Stellvertreter und Karl-Heinz Kleinwort, DL2GF, als Technischer Referent. Inzwischen hat es einen SWL-Lehrgang mit abschließender Prüfung gegeben. Die Zahl der Mitglieder ist auf rund 50 gestiegen. Im März 1967 sind es nach der letzten Prüfung bei der OPD Kiel 12 Mitglieder mit Lizenz im OV, davon 2 auch auf 2m QRV.

Besonders zu erwähnen ist jedoch hier die Ausstellung im April 1967 im damaligen „Kaufhaus Grimme“, heute „Karstadt“, die unter hohem Einsatz der Mitglieder vorbereitet und durchgeführt wurde.
Durch eine Anerkennungsurkunde des Distrikts werden besonders geehrt: OM Schlösser, DK1ZH, OM Jöns, DL1JS, OM Kleinwort, DL2GF, OM Feddersen, DL2OW, OM Hassler, OM Wollschläger und OM Haack.
Ungefähr 1200 Besucher haben die Ausstellung besucht. DL0SX machte etwa 230 QSOs mit 45 Ländern. Die Zeitungen berichteten darüber, und eine Reihe von neuen Interessenten wurde gewonnen. Mehrere Morse- und Technik-Lehrgänge finden in den folgenden Jahren statt. Im August 1968 nimmt der OV Schleswig zum ersten Mal am KW-Fieldday teil (Standort: Missunde). Aktive Teilnehmer sind: DL1JS, DK1ZH, DL2GF, DL2OW, DJ4IG, DJ6WY, DK2XR, DK2XQ, DJ5AV und DK2ZE. Geräte: Hallicrafters-Line, Star-Line; Antennen: W3DZZ, Quad mit Rotor. Es gefiel allen so gut, dass seitdem fast jedes Jahr der Fieldday auf UKW oder auch auf KW mitgemacht wird. Nach mehreren Jahren in Missunde (KW) und auf dem Königshügel in Selk (UKW) hatte sich dann ein Platz bei Hüsby herauskristallisiert. Er befand sich oberhalb des Rastplatzes der A7 und war nur von oben her zugänglich. Da er das ganze Jahr sonst nicht benutzt wurde, musste immer erst ein Dickicht von Unkraut beseitigt werden, bevor die Zelte aufgeschlagen werden konnten.

Anfang 1996 schloss der Ortsverband einen Vertrag mit der Bundeswehr, der für Jahre die Benutzung eines Platzes am Rande des Truppenübungsplatzes bei Neuberend erlaubt. Dieser günstig gelegene
Fielddayplatz fand bei allen Mitgliedern des OV Schleswig vollen Anklang. Später fanden die Fielddays auf dem Sportplatz der Gemeinde Nübel statt, mit der eine Abmachung getroffen wurde.

 

1969 bis Frühjahr 1999

Da OM Schlösser 1969 aus beruflichen und persönlichen Gründen auf eine Wiederwahl verzichtet, wird am 28.2.1969 OM Heinz Feddersen, DL2OW, zum OVV gewählt. In dieser Zeit bewegt der Bau des AFuG in Baunatal die Gemüter.
Die Schleswiger OMs kommen zu dem Schluss, daß die deutschen Funkamateure eine repräsentatives und zentral gelegenes Verwaltungszentrum brauchen und unterstützen trotz aller Gegenpropaganda den Bau des Amateurfunk-Zentrums.
Beim Fieldday, Anfang Sept.1969 in Missunde, hat sich das Punktergebnis gegenüber dem Vorjahr verdoppelt. Dies bedeutet den 5.Platz. Auch 1970 findet der KW-Fieldday am 5./6.September wieder in Missunde statt. Grill und Lagerfeuer bedeuten eine Bereicherung, aber der 22. Platz enttäuscht dann doch. Bei der Vorstandswahl am 8.1.1971 wird OM Schlösser, DK1ZH, erneut zum OVV gewählt. Der OV zählt jetzt 41 Mitglieder davon 25 mit Lizenz. Am 7.3.73 übernimmt wieder OM Feddersen, DL2OW, den Vorsitz im OV. OM Erich Stange, damals DC5LB und später DF3LS, ist vom 5.2.1975 bis zum 2.3.1977 OVV von M13. Ihm folgt am 13.3.1979 OM Hans-Peter Hansen, DF3LF, der am 2.März 1983 von OM Heinz Hansen, DF3LQ, abgelöst wird. Der OV hat jetzt 67 Mitglieder, davon 50 mit Lizenz. Leider wird sich durch die bevorstehende Gründung eines neuen Nachbar-OVs die Mitgliederzahl reduzieren. Da die Gaststätte im „Handwerkerhaus“ geschlossen wurde, muss der OV sich ein neues Clublokal suchen. Ab Juli 1981 ist dies der „Ruhekrug“ an der alten B76. Am 6.März 1985 tritt der gesamte Vorstand zwecks Neuwahl zurück. Da niemand bereit ist als OVV zu kandidieren, wird für den 8. Mai 1985 erneut eine Wahlversammlung angesetzt. Dabei wird in geheimer Wahl Horst Lehmkuhl, DB4LL, gewählt. Sein ruhiges und ausgleichendes Wesen bewirkt, dass er bis 1997 alle zwei Jahre wiedergewählt wird. Während es in früheren Zeiten häufig zu heftigen Auseinandersetzungen kam, wirkt der OV Schleswig heute sehr harmonisch. Jüngere OMs sind hinzugekommen und rasch voll integriert worden. Andere haben, wohl vor allem der weiten Entfernungen wegen, eigene Ortsverbände gegründet, so M32 Oeversee und zuletzt M28 Kropp-Stapelholmer Geest. Ein „eiserner“ Stamm von etwa 10 OMs besucht jeden OV-Abend. Gelegentliche Besichtigungen werden nach Bedarf und Möglichkeit eingeplant. Auch Fielddays und Adventsfeiern (mit Julklapp!) gehören zum festen Programm. Jeder OM hat so seine Eigenheiten und bevorzugt diese oder jene Seite unseres Hobbys; aber jeder lässt jeden gelten. Und das ist gut so!

1997 übernahm Claus Haß, DL8LAB, das Amt des OVV und brachte frischen Wind mit. Neben den traditionellen Veranstaltungen gibt es immer mal wieder etwas Neues,so eine Packet-Radio-Gruppe und die Besichtigung des Schleswiger Fernsehturms. Claus wurde auch 1999 wieder als OVV gewählt. Wieder ist ein Lizenzlehrgang mit Erfolg abgeschlossen, der dem OV neue Mitglieder gebracht hat. Die OV-Versammlungen im Ruhekrug sind immer gut besucht. Auch viele Gäste kommen aus anderen Ortsverbänden. Nach mehr als 10 Jahren kandidiert DL8LAB nicht wieder und Dieter Flemig, DF5EAD, wird 2009 zum neuen OV-Vorsitzenden gewählt.

 

Erinnerungen an Ehemalige

Liste der OVV’s bis heute:
1948 – 1951 Oskar Gohn DL1FY
1951 – 1952 Manfred Borstel DL6PR
1952 – 1953 Dr. Friedrich von Rautenfeld DL1FZ
1953 – 1954 Uwe Lammers DL9WZ
1954 – 1954 OV aufgelöst
1954 – 1956 Willi Wallatis DL1FX
1956 – 1956 Detlef Mißfeld DL1IP
1962 – 1964 Günther John DL7GO
1964 – 1965 unbesetzt
1965 – 1969 Rolf Schlösser DK1ZH
1969 – 1971 Heinz Feddersen DL2OW
1971 – 1973 Rolf Schlösser DK1ZH
1973 – 1975 Heinz Feddersen DL2OW
1975 – 1979 Erich Stange DF3LS
1979 – 1979 Hans-Peter Hansen DF3LF
1983 – 1985 Heinz Hansen DF3LQ
1985 – 1985 unbesetzt
1985 – 1997 Horst Lehmkuhl DB4LL
1997 – 2009 Claus-Uwe Haß DL8LAB
2009 – Dieter Flemig DF5EAD

Eine Reihe sehr aktiver OMs ist leider viel zu früh von uns gegangen, und sie sind schon lange SILENT KEY.
Über Erwin Urban, DL3FX, und Detlef Missfeld, DL1IP, wurde schon berichtet.

Aber auch andere verdienen es erwähnt zu werden:
Einer von Ihnen war Helmut Sachse, DJ3AD. Er betrieb einen Eisenwaren- und Haushaltsartikel-Großhandel. Sein Hobby war einerseits High-Speed-CW, andererseits die japanische Sprache. Der unscheinbar und bescheiden wirkende OM hatte während des Zweiten Weltkrieges fließend Japanisch in Wort und Schrift gelernt und sprach, soviel ich weiß, auch perfekt Russisch. Mit seiner Star-Line und nur einfachen Antennen war er oft zu hören. Er hielt schon damals viel vom Jogging und soll jeden Morgen vor Tau und Tag unterwegs gewesen sein. Seine große Sprachbegabung hat aber wohl keiner so recht erkannt.
Auch Heinz Feddersen, DL2OW, starb viel zu früh. Er hatte auf einem kräftigen Holzmast eine Cubical-Quad-Antenne installiert, die über die Dächer der Amselstraße hinausragte. Er war ebenfalls Diplomjäger und nach DL1IP das zweite DIG-Mitglied im OV. Seine besondere Aufgabe sah er darin, den Kontakt zu Uwe Lammers, DL9WZ, aufrechtzuerhalten, der vor vielen Jahren in die USA ging und von Chelmsford bei Boston, Massachussets, aus jede Woche mit Schleswig in Verbindung trat. Sein Call ist dort heute KV1F. Er gehört noch immer dem OV Schleswig an.
Oskar Gohn, DL1FY, ist ebenfalls unvergessen. Der ehemalige Lufthansa-Funker wohnte in günstiger DX-Lage am Haithabuweg. Sein 3-Element-Yagi brauchte keinen großen Mast und stand im Garten. Er war lange Zeit der älteste OM im OV. Sein Tod war so, wie man es sich als Funkamateur nur wünschen kann: er ging in seine Funkbude im Dachgeschoss um zu funken und starb ganz friedlich vor seinen Geräten, ohne lange und schmerzhafte Krankheit.

Noch aktiv, aber vor Jahren schon aus beruflichen Gründen nach Troisdorf verzogen, ist Rolf Schlösser, DK1ZH. Als schneidiger Berufssoldat (Marine) hatte er viel Schwung und viele Ideen, die er meist auch realisieren konnte. Seine XYL Ingrid, DJ6WY, unterstützte ihn bei seinem Wirken voll und schaffte es, die Wogen zu glätten, wenn es zu Kontroversen mit weniger begeisterten OMs kam. Unter seiner Leitung wurde die Aktivitätswoche im Kaufhaus Grimme (später Karstadt und zuletzt Hertie) durchgeführt. Erwähnen möchte ich auch Erich Stange, DF3LS (SK), der in Schuby das Unterteil eines Hochspannungsmastes als Antennenträger auf einem starken Fundament installiert hatte. Der Gittermast war so stabil und hatte einen Querschnitt, der geeignet war, noch in luftiger Höhe einen Liegestuhl aufzunehmen. Erich war viele Jahre QSL-Manager und besuchte mit seinem reichhaltigen Angebot an Bastelmaterial fast alle Amateurfunk-Ausstellungen und Flohmärkte. Leider ist er als Rentner aus dem Club ausgetreten und widmete sich anderen Hobbys.

 

Epilog

Zu aktuellen Ereignissen findet man laufend Berichte im Internet auf www.dl0sx.de.

Zum 60jährigen Bestehen des OV Schleswig wurde eine Serie von Zeitungsartikeln vorbereitet, von denen mehrere in der Presse veröffentlicht wurden. Am 16. März 1996 wurden die Mitglieder des OV Schleswig vom Bürgermeister der Stadt Schleswig, Herrn Nielsky, im Plessenhof empfangen. Einige kalte Platten und Sekt erfreuten die zum Teil mit ihren Damen erschienenen Funkamateure. Auch Willy Petersen war von Nordstrand gekommen. Überraschend erschien auch die Tochter von Hans Nielsen, dem verstorbenen Friseur vom Holm, und brachte einige alte QSL-Karten ihres Vaters aus der Vorkriegszeit mit. Bei Gesprächen und Erinnerungen verflog die Zeit. Selbst der sonst meist von Terminnot geplagte Bürgermeister blieb bis zum Schluss.

Der Chronist Ben DL1NP, eigentlich Jürgen Bennöhr, wurde schon 1937 vom Amateurfunk infiziert. Damals gab es für junge Leute nur die SWL-Tätigkeit. Lizenzen schienen unerreichbar zu sein. Er erhielt 1949 in Kiel das Rufzeichen DL1GM, das er 1958 nach einem Umzug wegen der Unmöglichkeit, eine Antenne zu spannen, zurückgab. 1963 bot sich in seiner Schule die Aussicht für eine Antenne, und er legte nochmals die Lizenzprüfung ab. Mit dem Rufzeichen DL1NP war er seitdem aktiv. 1964 gründete er als Rektor der Realschule in Aumühle (Sachsenwald) die erste Schulstation in Schleswig-Holstein (DL0EU) und kam 1969 als Schulrat nach Schleswig. 1984 wurde er pensioniert und war danach als Diplomjäger sehr aktiv.

Am 27.04.2017 legte Ben für immer Morsetaste und Mikrofon aus der Hand. Mit ihm verlor M13 ein echtes Urgestein. Seinen Nachruf finden Sie in den „Schleswiger Nachrichten“ vom 15.05.2017.